Fangt bei euch an, nicht bei den Ururgroßeltern
Der häufigste Fehler: Man beginnt mit der ältesten Person, von der man mal gehört hat - und steckt nach einer Stunde in Archivrecherche fest. Besser ist der umgekehrte Weg. Tragt zuerst euch selbst ein, dann eure Eltern, dann eure Geschwister und Kinder. Diese Angaben habt ihr ohne Nachfragen im Kopf, und ihr seht sofort eine erste Struktur. Erst danach geht ihr eine Generation weiter zurück.
Welche Angaben wirklich zählen
Für einen lebendigen Stammbaum braucht ihr weniger, als viele denken. Vollständiger Name (bei verheirateten Frauen auch der Geburtsname - sonst reißt die Spur später ab), Geburtsdatum und Geburtsort, gegebenenfalls Sterbedatum, und die Beziehung zur nächsten Person. Alles andere ist Kür.
Was ihr dagegen unbedingt ergänzen solltet, sobald ihr es erfahrt: Beruf, Wohnorte und ein oder zwei Sätze, die den Menschen beschreiben. „Hat nach dem Krieg als Schneiderin gearbeitet und jedem Enkel einen Mantel genäht" sagt in zwanzig Jahren mehr aus als jedes genaue Datum.
Fragt die Älteren - und zwar bald
Die wertvollste Quelle für einen Stammbaum sitzt nicht im Archiv, sondern am Küchentisch. Großeltern und Großtanten wissen Dinge, die nirgendwo aufgeschrieben sind: wer mit wem verwandt war, warum jemand ausgewandert ist, welcher Name eigentlich anders geschrieben wurde. Diese Gespräche lassen sich nicht nachholen.
Ein praktischer Tipp: Nehmt solche Gespräche auf, statt mitzuschreiben. Erstens redet es sich freier, zweitens habt ihr später die Stimme - und die ist oft mehr wert als die Information selbst. Fragt nicht „Wann war das?", sondern „Wie war das damals?".
Bindet die Familie ein, statt allein zu sammeln
Ein Stammbaum, den eine Person allein pflegt, stirbt mit dem Interesse dieser Person. Wenn mehrere Familienmitglieder eintragen können, passiert zweierlei: Die Arbeit verteilt sich, und es kommen Details dazu, die nur einzelne Zweige der Familie kennen. Nutzt eine Lösung, bei der jeder etwas beitragen kann, ohne sich mit Technik auszukennen.
Drei typische Stolpersteine
Nur Daten, keine Geschichten. Ein Stammbaum aus reinen Jahreszahlen wird von Kindern nie freiwillig angeschaut. Jede Person verdient mindestens einen Satz.
Alles auf einem Rechner. Festplatten gehen kaputt, Programme werden eingestellt. Achtet darauf, dass ihr eure Daten jederzeit vollständig exportieren könnt - und macht das auch tatsächlich einmal.
Verstorbene aussparen. Gerade die Menschen, an die sich niemand mehr erinnert, gehören in den Stammbaum. Sonst verschwinden sie endgültig.
Wie lange dauert das?
Für die ersten drei Generationen braucht ihr realistisch einen Nachmittag. Alles Weitere wächst über Jahre - meist immer dann, wenn die Familie ohnehin zusammensitzt: an Geburtstagen, an Weihnachten, bei Beerdigungen. Genau dann sind die Geschichten präsent, und genau dann sollte das Eintragen leicht sein.