← Zurück zur Startseite

Ratgeber

Gedenkseite anlegen: ein Ort für einen verstorbenen Menschen

Eine Gedenkseite ersetzt kein Grab und keine Trauerfeier. Sie kann aber etwas, was beides nicht kann: Erinnerungen sammeln, die sonst niemand mehr erzählt.

Wofür eine Gedenkseite gut ist

Nach einem Todesfall sind alle mit dem Nötigen beschäftigt. Erst Monate später merkt man, dass die Geschichten fehlen: wie er gelacht hat, was sie immer gesagt hat, warum dieses eine Foto in der Küche hing. Eine Gedenkseite ist der Ort, an dem diese Dinge zusammenkommen - nach und nach, von mehreren Menschen, ohne Anlass und ohne Frist.

Für Kinder und Enkel, die den Menschen kaum oder gar nicht gekannt haben, ist das oft der einzige Zugang, der bleibt.

Was darauf gehört

Ein Foto, das ihn zeigt, wie er war - nicht unbedingt das offizielle Porträt. Oft ist der Schnappschuss beim Grillen das ehrlichere Bild. Mehrere Fotos, die sich abwechseln, wirken lebendiger als ein einzelnes, feierliches.

Die Lebensdaten, gerne mit Geburtsort, Beruf und Schule: Das klingt nüchtern, ist aber genau das, was Nachfahren später suchen.

Erinnerungen einzelner Angehöriger, jede mit Namen darunter. Gerade die widersprüchlichen Erinnerungen sind wertvoll - sie zeigen einen Menschen und kein Denkmal.

Die Verbindung zur Familie: Wer war das eigentlich - Uropa mütterlicherseits, der Bruder der Oma? In fünfzig Jahren weiß das sonst niemand mehr.

Öffentlich oder privat?

Viele Gedenkseiten im Internet sind für alle sichtbar und lassen fremde Kondolenzeinträge zu. Das kann bei bekannten Persönlichkeiten passen. Für die allermeisten Familien ist es allerdings unangenehm: Trauer ist nichts, was man einem Publikum zeigen möchte, und anonyme Beileidsbekundungen von Unbekannten helfen niemandem.

Unsere Empfehlung ist deshalb eine geschlossene Gedenkseite, die nur die Familie sieht. Wer sie öffentlich möchte, sollte vorher mit den engsten Angehörigen sprechen - sie lässt sich später kaum wieder einfangen.

Wie man Angehörige einbezieht, ohne zu drängen

Trauer läuft bei jedem anders. Manche schreiben schon nach zwei Wochen gerne, andere brauchen Jahre - und manche nie. Gut ist deshalb ein offenes Angebot ohne Aufforderungscharakter: „Ich habe eine Seite für Papa angelegt, du kannst dort jederzeit etwas hinzufügen." Kein Erinnerungsversand, keine Fristen.

Erfahrungsgemäß kommen die meisten Beiträge nicht direkt nach dem Tod, sondern an Geburtstagen und Jahrestagen. Genau dann sollte die Seite leicht erreichbar sein.

Auch für Haustiere

Das wird oft belächelt, ist aber ernst gemeint: Für Kinder ist der Tod des Hundes häufig der erste Verlust überhaupt. Eine kleine Gedenkseite mit Fotos und Erinnerungen hilft beim Abschiednehmen genauso.

Worauf man beim Anbieter achten sollte

Eine Gedenkseite soll Jahrzehnte halten - länger als die meisten Internetdienste. Prüft deshalb: Kann man alle Inhalte jederzeit vollständig herunterladen? Wo stehen die Server? Gibt es Werbung neben der Erinnerung? Und was passiert, wenn die Rechnung einmal nicht bezahlt wird - wird sofort gelöscht oder erst nach mehrfacher Ankündigung?

Die letzte Frage ist die wichtigste. Ein Anbieter, der Erinnerungen einer Familie ohne Vorwarnung löscht, hat nicht verstanden, worum es geht.

Weitere Ratgeber

ImpressumDatenschutzAGB